HÖrsÄle der Technischen
   Universität Berlin

FISSLER ERNST ARCHITEKTEN wurden mit der grundlegenden baulichen Renovierung und mit der Koordinierung der medientechnischen Neuausstattung der großen Hörsäle HE 101 und H 104 an der TU Berlin beauftragt. Außergewöhnliche technische Standards erforderten ein hohes Niveau bei der Entwurfs-, Ausführungs- und Detailplanung. Eine besondere Herausforderung für unsere Bauleitung stellte die Koordination der unterschiedlichen Fachplanungen der Medientechnik dar.

Der Hörsaal H 104 ist mit dem weltweit größten Wellenfeld-Synthese-System (WFS) ausgerüstet worden. Alle Module dieses Systems, das auf dem Prinzip der Wellenfeldsynthese basiert, wurden speziell für und teilweise an der TU Berlin selbst neu entwickelt. Dieses Anfang der 1990er Jahre vor allem an der TU Delft in Holland entwickelte Verfahren der akustischen Holographie ermöglicht die Synthese von Wellenfronten virtueller Schallquellen durch eine Anordnung gleicher Lautsprecher (Lautsprecherarrays). Durch akustische Holographie können beeindruckende akustische - reale wie auch surreale - Hörwelten erzeugt werden, die sowohl der Forschung als auch der Kunst neue Möglichkeiten eröffnen. Damit besitzt die TU Berlin ein Alleinstellungsmerkmal im Schnittbereich von Technik - Medien - Kunst. Ein 86 Meter langes Band - bestehend aus 2700 Lautsprechern - umläuft das Auditorium des Hörsaals H 104 im TU-Hauptgebäude mit seinen heutigen 648 Sitzplätzen etwa auf Ohrhöhe der Zuhörer. Die Lautsprecher werden über digitale Datenleitungen durch 832 unabhängige Signale angesteuert, die ihrerseits durch ein Cluster von 16 Rechnern generiert werden.

Der zweite große Hörsaal HE 101, den wir modernisiert haben, steht unter Denkmalschutz und wurde Anfang der 60er Jahre gemeinsam von Prof. Ochs (Architekt) und Prof. Cremer (Akustiker) auf dem Nord-Campus der TU gebaut. Heutige technische Anforderungen machten hier ebenfalls den Einbau modernster Medien notwendig. Um die Akustik des Saals weiter zu verbessern, wurde die neue Tafelwand als Stahl-Alu-Konstruktion entwickelt. Im Design nimmt sie dabei den Faltenwurf des ehemaligen Vorhangs auf. Die drei anderen Saalwände, das Gestühl und die Faltdecke wurden aufgearbeitet und behutsam modernisiert. Erstmalig wird der Saal für Behinderte im Rollstuhl mit Hilfe eines Aufzuges erschlossen. Im Saal stehen heute auch drei Stellplätze für Rollstuhlfahrer in der ersten Reihe zur Verfügung. Der Saal hat heute 793 Plätze auf Basis der historischen Stuhlanordnungen.